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Kulturgut bewahren

Um das Archivgut auch künftigen Generationen zu erhalten, muss es konserviert und restauriert werden. Besonders bedeutende bzw. häufig genutzte Archivalien werden zu ihrem Schutz verfilmt.

Das Archivzentrum Hubertusburg beherbergt neben Sondermagazinen das Sachgebiet Audiovisuelle Medien und die Zentralwerkstatt zur Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (ZErAB) mit den Sachgebieten Konservierung/Restaurierung und Reprographie.

 

Sondermagazine

Sondermagazin plus 6 Grad Celsius Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Sondermagazin plus 6 Grad Celsius
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Sondermagazin plus 6 Grad Celsius Sondermagazin plus 10 Grad Celsius Sondermagazin plus 15 Grad

Die Sondermagazine des Archivzentrums dienen sowohl der dauerhaften Verwahrung von Schutz- und Sicherungsmedien wie Roll- und Planmikrofilmen als auch der Magazinierung von audiovisuellen und fotografischen Archivalien.

Dabei dienen die hier eingelagerten Schutz- und Sicherungsmedien nicht unmittelbar der Benutzung. Vielmehr bilden sie das Zwischenglied zwischen dem Original und der eigentlichen Benutzerkopie zur Vorlage in den Lesesälen des Staatsarchivs. Die klimatischen Anforderungen an die Lagerung der Schutz- und Sicherungsmedien unterscheiden sich erheblich von den Anforderungen an die Magazinierung der AV-Archivalien und des fotografischen Materials. So werden Schutz- und Sicherungsmedien am besten in Magazinen mit stabilen +6° Celsius (mit einer Schwankungsbreite von +/- 1° Celsius) und 30 Prozent relativer Feuchte (mit einer Schwankungsbreite von +/- 5 Prozent) verwahrt. Audiovisuelles und fotografisches Archivmaterial hingegen wird, je nach Materialart, in Magazinen mit Temperaturen von - 6° Celsius oder von über +10° Celsius bis zu 15° Celsius (jeweils +/- 1 ° Celsius Schwankungsbreite) und jeweils einer relativen Feuchte von 30 Prozent (mit einer Schwankung von +/- 5 Prozent) magaziniert.

Sachgebiet Audiovisuelle Medien

Video-Bearbeitung Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Video-Bearbeitung
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Video-Bearbeitung Sicherheitskammer für Nitrofilme Sichtung eines Kinofilms Audio-Bearbeitung

Im Sachgebiet Audiovisuelle Medien sind die Kinofilm-Materialien, Videos und Tonaufnahmen des Sächsischen Staatsarchivs konzentriert.

Um die seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart gebräuchlichen Medienformate abzuspielen, zu bearbeiten, zu erschließen, für die Zukunft zu sichern und für die Benutzung bereitzustellen, ist eine Vielzahl studiotechnischer Geräte erforderlich. Historische Filme in den Formaten 35mm und 16mm werden geschützt, indem sie ausschließlich auf professionellen Film-Schneidetischen bearbeitet werden. Material aus den Anfangszeiten des Kinos ist feuergefährlich und muss in der Nitrofilm-Sicherheitskammer verwahrt werden. Videokassetten können mit Studio-Video-Laufwerken verschiedener Formate zuverlässig wiedergegeben und die Inhalte auf modernen Video-Workstations digital aufgezeichnet werden. Viele Verwaltungen haben auch Ton-Aufnahmen auf Spulen- und Kassetten-Magnetband angefertigt; diese sind einzuspielen und digital zu sichern.
Vor allem Fernsehjournalisten, Museen und Ausstellungsprojekte werden durch das Sachgebiet AV-Medien direkt betreut. Für die Benutzung in den Abteilungen in Chemnitz, Dresden, Freiberg und Leipzig werden Benutzerkopien erzeugt.

Zentralwerkstatt zur Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (ZErAB)

Die Zentralwerkstatt hat die Aufgabe, große Mengen geschädigten Schriftguts bis zur weiteren Bearbeitung zu sichern, konservatorisch und restauratorisch zu bearbeiten sowie durch die Anfertigung von Schutz- oder Sicherungsmedien und deren Verwahrung in den erwähnten Sondermagazinen dauerhaft zu erhalten. Darüber hinaus koordiniert und priorisiert die ZErAB Bestandserhaltungsmaßnahmen des Staatsarchivs und stimmt sie mit denen des Bundes und der Länder ab.

Sachgebiet Konservierung und Restaurierung

Papiernassbehandlungsanlage Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Papiernassbehandlungsanlage. Die Kassette mit dem Archivgut fährt automatisch in das nächste Wässerungsbecken.
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Papiernassbehandlungsanlage Angießen von Faserbrei Nachleimen Aufbringen transparenter Stützpapiere Kartenrestaurierung Labor Die Notfallsituation Bücher im Wasser und verschmutzte Archivalien im Regal Detailaufnahme verschmutzte Archivalien Noch trockene Archivalien Bergung nasser Archivalien Bergung trockener Archivalien Herausbringen der Archivalien aus der Notfallsituation Transport der Archivalien zu den nächsten Stationen Reinigung verschmutzter Archivalien Einstretchen der Archivalien zum Einfrieren Einwickeln nasser Archivalien in Mullbinden

Herzstück des Sachgebiets ist eine Maschine zur Nassbehandlung von stark geschädigtem Archivgut. Während einer definierten Abfolge verschiedener Wasch- und Spülbäder werden Verfärbungen und Säuren aus dem Papier entfernt bzw. neutralisiert. Im Anschluss erfolgt die Ergänzung von Fehlstellen durch Angießen von Faserbrei.

Durch Nachleimung und Aufbringen transparenter Stützpapiere erhält das Archivale seine ursprüngliche Festigkeit zurück.

Zur Notfallbewältigung bei Wasserschäden steht im Archivzentrum eine Gefriertrocknungsanlage zur Verfügung. Durchnässtes Archivgut wird tiefgefroren, um auf diese Weise die Schadensprozesse schnell und mit wenig Aufwand zu stoppen. In dieser Gefriertrocknungsanlage erfolgt im Anschluss die Trocknung durch Sublimation im Vakuum, d. h., das gefrorene Wasser wird unmittelbar in die Gasphase überführt. Somit wird das Risiko von mikrobiellem Befall wirkungsvoll unterbunden.

Neben Akten werden Pergamenturkunden, Karten und Pläne sowie fotografische Materialien und Einbände aus mehreren Jahrhunderten Bestandsgeschichte restauriert. Dies erfordert nicht nur Kenntnisse und Fähigkeiten zur Bearbeitung von Papier und Pergament, sondern von einer Vielzahl weiterer Materialien wie z. B. Leder, Holz, Metall, Wachs, Lacke und – nicht zu vergessen – Tinten und Farben.

Die Ergebnisse der konservatorisch-restauratorischen Maßnahmen werden in einem speziell hierfür eingerichteten Labor ständig überprüft.

Sachgebiet Reprographie

Unperforierter Mikrofilm Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Unperforierter Mikrofilm
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Unperforierter Mikrofilm Reproduktion von Schriftgut mit einer Schrittschaltkamera Reproduktion von großformatigen Archivalien mit der Vertikalkamera Makrofiche Edelstahlbehälter im Zentralen Bergungsort für Kulturgutschutz Regal im Zentralen Bergungsort für Kulturgutschutz

Hier werden von Archivalien sogenannte Schutzmedien erstellt. Dabei wird ein besonderes fotografisches Material in Form von unperforiertem Mikrofilm benutzt, das bei adäquater Verwahrung in den speziell klimatisierten Magazinen des Archivzentrums nahezu eintausend Jahre lagerungsbeständig ist (Farbfilmmaterial etwa die Hälfte).

Erzeugt werden diese Mikrofilme mit speziell für die Reproduktion von Schriftgut konzipierten Schrittschaltkameras sowie mit einer Vertikalkamera, die für die farbige Reproduktion von großformatigen Archivalien wie Karten und Plänen bis zu einer Größe von vierfach DIN A0 auf Makrofiche speziell für die Zwecke des Archivzentrums als Einzelanfertigung gebaut wurde.

Die Reproduktionen auf dem Mikrofilm und auf dem Makrofiche sind von einer solchen Güte, dass sie die Informationen der Originale nahezu verlustfrei wiedergeben und daher auf deren Benutzung weitestgehend verzichtet werden kann. Daher können sie zu Recht als Schutzmedien bezeichnet werden.

Schutzmedien werden aus sächsischen Steuermitteln finanziert. Darüber hinaus befindet sich im Archivzentrum außerdem die aus Steuermitteln des Bundes finanzierte Sächsische Sicherungsverfilmungsstelle des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Seit 1961 lässt das BBK in nahezu allen Bundesländern im Rahmen seines Bundessicherungsverfilmungsprogrammes ebenfalls Mikrofilme zur Sicherung originalen Kulturguts im Katastrophenfall erzeugen, die im Unterschied zu den Schutzfilmen Sachsens als Sicherungsfilme bezeichnet werden; mittlerweile wurden Sicherungs- und Schutzfilme formal und inhaltlich aneinander angepasst, so dass die Benutzer keine Unterschiede zwischen beiden feststellen. Die Sicherungsfilme des Bundes werden zentral in besonderen Edelstahlbehältern in einem Stollen in der Nähe von Freiberg im Breisgau gelagert, dem sogenannten Zentralen Bergungsort für Kulturgutschutz (ZBO).

Fachbeiträge

Bestandserhaltung

Präsentation zur Bestandserhaltung im Sächsischen Staatsarchiv
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Die wichtigsten Grundlagen des Sächsischen Staatsarchivs für die Lagerung und Handhabung von Archivgut im Allgemeinen sowie für die Fotokonservierung im Besonderen finden Sie hier:

Marginalspalte


Restaurierung von Archivgut

Ansprechpartner

Abteilung Zentrale Aufgaben, Grundsatz

Dr. Thomas-Sergej Huck

  • SymbolTelefon:
    (+49) (0)34363-88 11 00
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